HERMANN NITSCH

1938 in Wien geboren, lebt und arbeitet in Prinzendorf.

Hermann Nitsch gilt als der bedeutendste Vertreter des Wiener Aktionismus.

Aufgewühlte Tierkadaver, gekreuzigte nackte Menschen und Blut als Erweiterung der künstlerischen Farbpalette: Es sind provokante Szenerien, die dem Wiener Aktionisten Hermann Nitsch seit Beginn der 1960er Jahre seine mediale Präsenz sichern. Doch nicht nur der performative Akt seines Aktionstheaters ist paradigmatisch für Nitsch. Seine Malerei ist als Ergebnis der Zeit in den Prozess des Theaters eingeflochten. Vom Verzicht auf klassische Arbeitsmittel – wie den Pinsel – bis hin zum verschwenderischen Umgang mit Farbmassen, die vor der Öffentlichkeit aus Eimern auf dem Malgrund geschüttet werden: die informelle Malerei wird bei Nitsch bis an ihre Grenzen getrieben. Das Ergebnis sind dicke Farbflächen aus gespritzter, geschütteter und herabfließender Farbe, die zur Formensprache von Nitsch erhoben werden. Die Negierung einer kompositionell orientierten Vorgangsweise bis hin zu einem sinnlichen künstlerischen Akt, wird als ein ritueller Einstieg zu seinen exzessiven Inszenierungen des Theaters verstanden. Der Vorgang wird bei Nitsch mit dem Ergebnis auf eine Ebene gestellt. Die Leinwand als Endprodukt und Überbleibsel setzt immer wieder Rückverweise auf seine Aktionen – ohne dabei eine ästhetische Qualität in der reinen Farb- und Formwirkung zu negieren.